Letztes Jahr in einem Workshop in Sofia betrachtete ich die Teilnehmenden, die immer wieder mit dem Kopf schüttelten. Das hat mich in dem Moment total verunsichert, und ich fragte mich, was ich falsch mache. Doch dann fiel es mir wieder ein: in Bulgarien bedeutet Kopfschütteln Zustimmung, und Nicken ist die Geste für ‚nein‘. Ich war erleichtert, als es mir wieder einfiel, und obwohl ich das eigentlich schon wusste, war es mir in genau dieser Situation entfallen. In Japan habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht, was Gesten angeht. Von daher ist es elementar wichtig, sich darüber bewusst zu sein, dass in kulturübergreifender Zusammenarbeit nicht nur die Sprache, sondern auch die Körpersprache nicht eins zu eins dieselbe Bedeutung hat.
Man kann nicht nicht kommunizieren.
Dieser berühmte Satz von Paul Watzlawick gilt besonders für die nonverbale Kommunikation: Mimik, Gestik, Körperhaltung und sogar Schweigen senden Botschaften – ob wir wollen oder nicht. Studien gehen davon aus, dass über 60 Prozent unserer Kommunikation nonverbal stattfindet.
Doch Vorsicht: Nonverbale Kommunikation ist keine universelle Sprache. Ein Lächeln, ein Nicken oder ein Kopfschütteln mag uns selbstverständlich erscheinen – international gesehen kann genau diese Selbstverständlichkeit in Missverständnisse führen. Auch Schweigen hat, je nach Kulturkreis, teilweise eine ganz unterschiedliche Bedeutung und löst unterschiedliche Emotionen aus.
Kamera im Teams-Meeting an? Nicht überall gleich sinnvoll
Gerade in virtuellen Meetings wird oft darauf bestanden: „Bitte macht die Kamera an, damit wir die Reaktionen sehen können.“ Verständlich, schließlich fehlen online viele nonverbale Hinweise. Doch in manchen Kulturen werden Emotionen bewusst kontrolliert und es gilt als Zeichen der Schwäche, diese im Gesicht widerzuspiegeln. Mimik zeigt also nicht unbedingt Zustimmung oder Freude. Wer nur auf Gesichter achtet, kann digital ebenso schnell in die Irre geführt werden wie in Live-Meetings.
Nonverbale Kommunikation – Was sagt ein Lächeln im Meeting?
Lächeln ist ein Klassiker. In Deutschland oder den USA gilt es als Zeichen von Offenheit und Zustimmung. In Japan kann es allerdings auch bedeuten: „Das Thema ist mir gerade extrem unangenehm.“ Wer das nicht weiß, interpretiert das Lächeln seines Gegenübers schnell als „alles klar, läuft“ – und unterliegt gegebenenfalls einem Irrtum.
Globale Kommunikation – Gesten, die Geschäftspartner ins Schwitzen bringen
Auch Gesten sind eine Quelle potenzieller Fettnäpfchen. Mit Sicherheit gibt es Gesten, die überall die gleiche Bedeutung haben… wie der berühmte Mittelfinger. Der Daumen hoch – bei uns ein Synonym für „Top!“. In Teilen des Nahen Ostens oder Westafrikas ist das allerdings ein handfester Affront. Das Victory-Zeichen? In Großbritannien, wenn die Handfläche nach innen zeigt, alles andere als siegessicher. Wer in internationalen Teams unterwegs ist, sollte seine Hände also mit Bedacht einsetzen.
Business-Tipp: Nicht alles auf die Goldwaage legen – aber genau hinschauen
Im Business-Alltag ist es unmöglich, jede kulturelle Besonderheit zu kennen. Ein nörgelnder Gesichtsausdruck heißt nicht automatisch Ablehnung – vielleicht denkt Euer Gegenüber einfach nur intensiv nach. Und wenn ein Lächeln nicht erwidert wird, ist das nicht zwingend unhöflich, sondern möglicherweise kulturell geprägt.
Fazit: Die stille Sprache entscheidet mit
Mimik und Gestik sind keine Nebensache – sie können über Vertrauen, Missverständnisse oder den Erfolg einer Verhandlung entscheiden. Wer international arbeitet, sollte seine nonverbale Kommunikation genauso im Blick haben wie kultursensible Sprache. Von daher ist Cultural Awareness ein entscheidender Faktor für den Erfolg von kulturübergreifender Zusammenarbeit.
